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BTCP - Blue Tank Cave Project
< Speläologie > Höhlentauchen > < Expedition 2001 >
______________________________________________________________________ Im Rahmen seiner naturkundlichen Forschungen und Studien als Geograph und Naturforscher, konnte der Österreicher Johannes Echtinger auf Cuba eine spektakuläre (Wieder-)Entdeckung machen. In einer der ausgeprägten, bis vor kurzem noch weitgehend unerforschten Karstebenen im Osten von Cuba, ging er den Spuren tschechischer Höhlenforscher nach, die vor fast zwei Jahrzehnten den Eingang einer subaquatischen Höhle (zu 100% überflutet) fanden und diesen lediglich kartographisch vermerkten. Die Höhle selbst wurde damals im weiteren nie eingehender erforscht, eine Präsentation oder Publikation dieses einmaligen Naturphänomens existiert bis heute in keiner Weise. Mit dem Umbruch der Länder des Ostens geriet die Kenntnis um das Höhlensystem in der Folge schließlich wiederum in Vergessenheit. Im Rahmen seiner aktuellen speläologischen Forschungen in der nahezu unzugänglichen Karstebene von Gibara untersuchte er, durch Diskussionen mit kubanischen Wissenschafter inspiriert, diese geheimnisumwitterte Höhle, die Caverna de Tanque Azul, näher.: Eingang in das Höhlensystem des Tanque Azul, ein typischer Cenote Es folgten ungezählte Tauchgänge in den Gängen des weitverzweigten Höhlensystem sowie umfangreiche Vermessungs- und Kartierungsarbeiten. Als Ergebnis der Forschungen stellte sich schließlich heraus, daß es sich bei diesem einzigartigen Naturdenkmal um das bis heute größte bekannte subaquatische (phreatische) Höhlensy-stem in Cuba handelt. Insgesamt konnten bislang 2.800 Metern Gesamtlänge betaucht und erforscht werden. Wie unsere Recherchen ergeben haben, handelt es sich auch weltweit um eines der größten Höhlensysteme dieser Art. An dieser Stelle muß vermerkt werden, daß in der Höhle bis dato noch 16 weitere Fortsetzungen (Blindgänge) mit bislang unbekannten Ausmaßen und Ganglängen existieren. Eine genauere speleologische Untersuchung des Gebietes, in dem sich zahlreiche ähnliche Höhlen befinden, wenn auch bei weitem nicht in dieser Dimension wie sie die Caverna de Tanque Azul aufweist, läßt darauf schließen, daß es sich hier höchstwahrscheinlich um ein Karstphänomen mit gigantischen Dimensionen handelt. Da der Wasserspiegel in der riesigen Einsturzdoline (Cenote), dem eigentlichen Tanque Azul, der den Eingang zu dem verzweigten Gang-System bildet, mit den Wasserspiegelschwankungen des ca. fünf Kilometer entfernten Meeres fast synchron geht, sind auch befahrbare (betauchbare) Verbindungen zum Meer beim derzeitigen Stand der Forschungen nicht auszuschließen. Die Eingänge in diese Unterwasserwelt öffnen sich drei bis fünf Meter unter dem Wasserspiegel im Cenote und führen bis zu einer maximalen Tiefe von 21 Meter. Die bislang erforschten Hauptgänge erweitern sich im Verlauf immer wieder zu riesigen Hallen und Sälen. Decke, Boden und Wände der Höhle sind reichhaltig mit den verschieden-sten Sinterformen wie Stalaktiten, Stalakmiten oder Sintersäulen und -vorhängen geschmückt.
>Siehe Anhang > Ergebnisse der bisherigen Forschungen
Dem Taucher präsentiert sich dieses geologische Phänomen als eine wahrlich zauberhafte Welt, die Schönheit der Höhle ist faszinierend und stellt für die Höhlentaucherei gleichzeitig eine Herausforderung der Superlative dar. Die weitere wissenschaftliche Erforschung, und somit auch die Möglichkeit hier in noch gewaltigere Dimensionen dieser faszinierenden Unter(wasser)welt vorzustoßen ist im Jänner/Februar 2001 geplant. Expedition BTCP Blue Tank Cave Project - 2001 SPONSORED BY : In der Zeit vom 25. Jänner bis 15. Februar findet eine umfangreiche und großangelegte, internationale Forschungsexpedition unter der Leitung von Hannes Echtinger zur Caverna de Tanque Azul statt. Die Arbeiten und Studien werden in Kooperation mit Höhlenforschern (-tauchern) aus Deutschland sowie den USA durchgeführt (Geographen, Geologen, Hydrologen, Speläologen), die Organisation in Cuba wird vom Comite Espeleologico in Holguin koordiniert. Im Rahmen der Forschungsarbeiten sollen, neben einer computergestützte Kartierung des Großhöhlensystems, vor allem auch eine adäquate Film- und Photo-Dokumentation dieses ohne Zweifel spektakulären Naturphänomens erstellt werden. Insbesondere von Wichtigkeit werden auch die eingehenden Untersuchungen der geologischen sowie geohydrologischen Verhältnisse der Höhle sowie deren Umfeld sein. Zudem werden weitere wasserchemische Untersuchungen durchgeführt. Besonders effektive Ergebnisse werden auch von den detaillierten Untersuchungen der Sekundärformen in Hinsicht auf die Paläoklimaforschung der Region und im weiteren des gesamten tropischen Raumes erwartet. Weiters werden Proben verschiedener Speleothemen entnommen um eine genaue Altersdatierung durchführen zu können.
Kontakt :
Mag.Dr.rer.nat. Hannes Echtinger Altenhof 52 5622 Goldegg AUSTRIA tel. 0043-(0)6415-8477 mobil. 0664-55 398 56 e-mail. echtinger@eunet.at
Anhang Ergebnisse der bisherigen Forschungen :
Die Caverna de Tanque Azul Ein subaquatisches Höhlensystem bei Gibara - Cuba Überschau Die Caverna de Tanque Azul im Osten Cubas ist das heute größte bekannte subaquatische Höhlensystem des Landes und mit bislang 2.800 Meter erforschter Gesamtlänge zudem eines der größten weltweit. Der Zugang zu dieser Großhöhle erfolgt über einen typischen Einsturzkessel, dem eigentlichen Tanque Azul, der den Menschen bereits seit über einem Jahrhundert als großes natürliches Schwimmbeckenbekannt ist. In den verästelten Gängen des Systems öffnen sich eine Reihe von Kammern und Hallen, die Höhle ist reich mit verschiedenartigen Sinterformen wie Stalaktiten, Stalagmiten, Tropfsteinsäulen oder Sinterfahnen geschmückt. Die Genese und Entwicklung des Höhlensystems weist drei verschiedene Phasen auf. Zur eigentlichen Höhlenentstehung kam es unter phreatischen Verhältnissen in der Folge von tektonischen Aktivitäten. Während der Kaltzeiten fiel die Höhle durch glazioeustatische Meeresspiegelschwankungen über längere Zeiträume hinweg trocken, es bildeten sich die sekundären Tropfsteinformen, und schließlich wurde das System im Verlauf der holozänen Transgression wieder auf das heutige Niveau vollständig über-flutet. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen Bei der Caverna de Tanque Azul handelt es sich um ein subaquatisches, weitreichend verästeltes Großhöhlensystem, welches mit seinen bisher bekannten Ausmaßen zur größten Höhle dieses Typs in Cuba zählt. Auch im internationalen Vergleich kann die Höhle zu den größten Systemen dieses speziellen Typus gezählt werden. Die Höhle liegt in einer Küstenebene welche intensive oberflächige wie subterrane Verkarstung aufweist. Der Zugang zum Höhlensystem erfolgt über einen typischen Einsturzkessel. Zwischen dem Meer und der Höhle bestehen Verbindungen durch weitreichende Kluft- und Spaltensysteme. So entspricht der Wasserspiegel im Cenote etwa den jeweiligen Gezeitenständen im offenen Meer. Ihre Entstehung kann grundsätzlich in drei speläogenetische Phasen eingeteilt werden: 1. Enstehung des Höhlensystems ab dem mittleren Quartär. Hebungen infolge tektonischer Aktivitäten bringen sukzessive die subterrane Entwässerung in Gang, und das Höhlensystem entsteht als Korrasionshöhle unter phreatischen Verhältnissen. 2. Entwässerung des Systems durch die weltweite eustatische Regression und Bildung der sekundären Tropfsteinformen vor allem während der Illinoian und Wisconsin Kaltzeiten. 3. Erneute Überflutung der Höhlengänge etwa auf das rezente Niveau durch den globalen Temperaturanstieg und Transgression am Anfang des Holozäns. Speläocharakteristisch präsentiert sich das dendritische Höhlensystem mit zwei Haupteingängen die unter dem Wasserspiegel des Cenote das System erschließen. Bis auf eine kleine Luftglocke im östlichen Teil der Höhle sind alle Gänge Zonen vollständiger Wasserfüllung. Die gesamte Höhle weist nur ein Niveau auf und zeigt sich als charakteristischer Typ einer Schichtgrenzhöhle. Es finden sich vorwiegend ausgeprägte Flach- und Linsenprofile, welche an etlichen Stellen durch Deckenbrüche hallenartig erweitert sind. Alle Zonen der Höhle sind reichhaltig mit den verschiedensten Sinter- und Tropfsteinformen ausgeschmückt. An der Höhlensohle finden sich an etlichen Stellen klastische Lockersedimente wie Blöcke oder Schutt von Deckenverbrüchen, aber auch höhlenlehmartige Feinsedimente sowie Kalzitkristallablagerungen. Bei einer Untersuchung des Wasserchemismus hat sich eine ausgeprägte halokline Schichtung gezeigt. Stratigraphisch können drei grundlegende Schichten markiert werden: 1. Ein oberer, mächtiger Frischwasser- bzw. Mischwassermantel mit niedriger Salinität der gut mit Sauerstoff angereichert ist. 2. Eine relativ enge Übergangszone (Sprungschicht). 3. Die schmale Grundschicht aus Meerwasser mit hoher Salinität und wenig Sauerstoff. Der Wert sowie der praktische Nutzen der Höhlenforschung, insbesondere die Erforschung subaquatischer Höhlensysteme, soll an dieser Stelle anhand einiger Beispiele aus der Archäologie, Biologie sowie Geomorphologie und Hydrologie verdeutlicht werden. So wurde etwa in den unter Wasser stehenden Abschnitten der Grotte de Han Sur Lesse in Belgien, Ende der 50er Jahre, reiches Material aus der Broncezeit entdeckt. Bereits 1959 konnte an einem archäologischen Fundort in der Warm Mineral Spring in Florida ein über 10.000 Jahre altes menschliches Hirngewebe geborgen werden. (M.,Farr, 1992) Die Kartierungs- und Vermessungsarbeiten an den Kalksteinstrukturen der Blue Holes auf den Bahamas brachten zahlreiche neue Erkenntnisse über die Spiegelschwankungen des Meeres während der Eiszeiten (M.,Gascoyne, et.al., 1979). Die amerikanische Biologin Jill Yager entdeckte 1979 im Rahmen biospeläologischer Forschungen eine völlig neue Klasse primitiver Schalentiere, die Remipedia, in den Lucay-an Caverns auf Grand Bahama. Eine neue Spezies der Remipedia konnte auch in den subaquatischen Systemen der Cueva de los Carboneros an der Südküste nahe der Playa Giron erstmals in Cuba lokalisiert werden (J.,Yager, 1981 und 1994). Schließlich kann hier auch eine für den Tourismus bedeutsame, nach wirtschaftlichen Grundsätzen arbeitende Nutzung der Höhle ins Auge gefasst werden. Zahlreiche Beispiele aus Mexiko (Cancun) können dabei als wegweisend angeführt werden, so etwa die subaquatischen Höhlensysteme der cenotes Ponderosa oder Tax-Maha, sowie Gran Cenote, Vaca-Ha oder Dos Ojos. Mit geführten Höhlentauchgängen stellen derartige Attraktionen ein einmaliges Ziel für Sporttaucher und somit eine große Chance die touristische Angebotspalette zu erweitern dar. Der Nutzen für den Umweltschutz wird, vor allem durch die expandierenden und komplexen Problemstellungen in den Bereichen Wassernutzung und -entsorgung, zu einem immer wichtigeren Faktor. Insbesondere die unkontrollierte Entsorgung von Abwässern kann infolge der durchlässigen Eigenschaften des Kalksteins zu einer ernsthaften Bedrohung für das Grundwasser führen. Herausgestellt werden soll hier vor allem aber auch der praktische Nutzen für die lokale Wasserversorgung, welche in den Kalksteingebieten verbreitet ein großes Problem darstellt. So könnte namentlich in den Kalksteingebieten am Fuße der Hügel von Cupeicillo oder der Sierra de Candelaria, im Süden des Untersuchungsgebietes der aktuellen Arbeit, die genaue Erforschung der speläohydrologischen Verhältnisse, sowie eine Lokalisierung der Karstwasserkörper und Höhlensysteme, zu einer effektiven Nutzung dieser Wasserressourcen beitragen. ______________________________________________________________________ ______________________________________________________________________
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